Bauen mit Lehm. Nachhaltiger Baustoff für modernes Wohnen.
Die Neuinterpretation eines traditionsreichen Baustoffes
Lehm ist einer der ältesten Baustoffe der Menschheit und kann gerade heute einen wichtigen Beitrag zur Bauwende leisten. Er ist lokal verfügbar, weist einen geringen CO₂-Fußabdruck auf und ist vollständig kreislauffähig.
Auch in Deutschland ist das Bauen mit Lehm weit verbreitet. Es gibt rund 200.000 Gebäude in Massivlehmbauweise, die aufgrund ihrer verputzten Außenfassade oft nicht als solche erkennbar sind. In Kombination mit dem Holzbau ist Lehm mit etwa zwei Millionen Gebäuden deutlich tiefer in unserer historischen Baukultur verankert. Besonders häufig fand er als Ausfachung zwischen den tragenden Holzkonstruktionen von Fachwerkgebäuden Verwendung.
Entstehung
Lehm entsteht durch die Verwitterung von Gestein und setzt sich aus den Bestandteilen Ton, Schluff sowie sandigen bis steinigen Anteilen zusammen. Das genaue Mischungsverhältnis variiert je nach Region, doch grundsätzlich ist Lehm nahezu überall verfügbar. In vielen Fällen kann sogar der Aushub einer Baugrube direkt als Rohstoff genutzt werden, sofern ausreichend Lagerfläche vorhanden ist.

Feuchteschutz & Kreislauffähigkeit
Lehm ist nicht feuchte- und frostbeständig. Um die Dauerhaftigkeit einer sichtbaren Lehmfassade im Außenbereich zu gewährleisten, muss er vor Witterungseinflüssen geschützt werden. Ein konstruktiver Feuchteschutz durch große Dachüberstände, einen ausreichenden Spritzwasserschutz im Sockelbereich sowie eine fachgerechte Gründung ist unerlässlich. Alternativ kann Lehm auch durch eine Verkleidung oder einen witterungsbeständigen Außenputz geschützt werden.
Ein Vorteil dieser wasserlöslichen und lufttrocknenden Eigenschaften besteht darin, dass Lehm jederzeit durch Zugabe von Wasser weiterverwendet werden kann. Reparaturen, Rückbau und Wiederverwendung werden dadurch erheblich erleichtert und leisten einen wesentlichen Beitrag zur Kreislaufwirtschaft.
Verbesserung des Raumklimas
Lehm besitzt eine hohe Sorptionsfähigkeit. Er kann große Mengen an Wasserdampf aufnehmen und wieder abgeben und wirkt so als natürlicher Feuchtigkeitspuffer. Dadurch trägt er zu einem ausgeglichenen Raumklima und zur Reduzierung der Schimmelgefahr bei. Für ein optimales Raumklima sollten Lehmbaustoffe mit der höchsten Sorptionsklasse III eingesetzt werden.
Im Vergleich dazu weisen herkömmliche Wandaufbauten mit Zement- oder Gipsputz deutlich geringere Sorptionsfähigkeiten auf. Diese werden durch Dispersionsfarben langfristig zusätzlich reduziert, da enthaltene Kunststoffanteile die Diffusionsoffenheit mit jedem Anstrich verringern. Ein weiterer Vorteil von Lehm im Innenraum ist seine Fähigkeit, Gerüche zu binden. Aufgrund seiner natürlichen Zusammensetzung gibt er in der Regel keine relevanten Schadstoffe oder Lösungsmittel an die Raumluft ab.
Bereits einfache Maßnahmen können diese positiven Eigenschaften nutzbar machen. Schon der Einsatz von Lehmputz verbessert das Raumklima erheblich – sowohl im Neubau als auch im Bestand. Historische Gebäude aus der Gründerzeit wurden noch mit diffusionsoffenen Materialien errichtet, die ein deutlich günstigeres Raumklima ermöglichen als die später etablierten Zement- und Gipsputze. Besonders bei Letzterem kann das nachträgliche Aufbringen einer Lehmputzschicht spürbare Verbesserungen erzielen. Entscheidend ist dabei die Schichtdicke – ab etwa 25 mm wird das gewünschte Sorptionsverhalten erreicht.
Weitere Eigenschaften
Lehm verfügt über eine hohe Wärmespeicherfähigkeit. Massive Lehmbauteile wirken als Temperaturpuffer, indem sie Wärme speichern und zeitversetzt wieder abgeben. Besonders in Gebäuden mit überwiegend leichter Bauweise ist das ein entscheidender klimatischer Vorteil. Da Lehm selbst nur eine geringe Dämmwirkung besitzt, muss für einen ausreichenden Wärmeschutz eine entsprechende Dämmschicht vorgesehen werden.
Lehm besitzt aufgrund seiner hohen Rohdichte gute Schallschutzeigenschaften und ist somit vergleichbar mit anderen massiven Baustoffen. Auch in Form von Platten oder Beschichtungen kann er durch strukturierte Oberflächen zur Verbesserung der Raumakustik beitragen. Der Baustoff gilt grundsätzlich als feuerbeständig. Natürliche Zuschlagstoffe pflanzlichen und mineralischen Ursprungs werden eingesetzt, um dem lokalen Lehm die gewünschten mechanischen und bauphysikalischen Eigenschaften zu verleihen.
Auch gestalterisch bietet das Bauen mit Lehm vielfältige Möglichkeiten. Lehmfarben und Edelputze zeichnen sich durch ein natürliches Farbspektrum aus, das sich durch unterschiedliche Zuschlagstoffe erweitern lässt. So entstehen Oberflächen mit individuellen Strukturen und optischen Effekten.

Moderne Bauweisen
Die fachgerechte Herstellung und Anwendung von Lehmbaustoffen sind in den Regelwerken des Dachverbands Lehm e.V. festgehalten. Durch die fortschreitende Aufnahme in DIN-Normen hat der Lehmbau in den letzten Jahren zunehmend den Status der Sonderbauweise abgelegt. Heute existieren Normen für tragende und nichttragende Lehmsteinmauerwerke, Lehmsteine, Lehmbauplatten und Lehmmörtel. Diese Entwicklung schafft Planungssicherheit und ermöglicht den Einsatz bis hin zu mehrgeschossigen Gebäuden der Gebäudeklasse 4.
Neben den traditionellen Anwendungen hat Lehm in den letzten Jahren besonders durch die Verwendung als Stampflehm an Bekanntheit gewonnen. Dabei wird erdfeuchter Lehm lagenweise in Schalungen eingebracht und verdichtet. Im Außenbereich ist hierbei ein sorgfältiger Witterungsschutz besonders wichtig. Zur Reduzierung von Erosion können zusätzliche horizontale Lagen – sogenannte Erosionsbremsen – integriert werden. Durch die lagenweise Schichtung entsteht die charakteristische Optik mit natürlichen Farbabstufungen.
Eine wirtschaftlich interessante Alternative stellen Lehmbausteine dar. Diese werden nicht gebrannt, sondern gepresst und getrocknet, wodurch ihr ökologischer Fußabdruck gering bleibt. Aktuelle Entwicklungen konzentrieren sich auf großformatige, tragende Elemente. Durch geeignete Mörtel- und Trennschichten ist eine rückbaubare Verarbeitung möglich. Zum Schutz vor Witterung werden Außenflächen bei dieser Bauweise in der Regel verputzt oder verkleidet.

Ihr Bauprojekt mit Lehm
Durch seine positiven Eigenschaften ist Lehm heute weit mehr als ein traditioneller Baustoff. Gerade in Kombination mit nachwachsenden Rohstoffen wie Holz eröffnen sich neue Perspektiven für zirkuläre Bauprojekte. Damit steht Lehm exemplarisch für den Wandel im Bauwesen: weg von energieintensiven und linearen Materialkreisläufen, hin zu langlebigen und wiederverwendbaren Konstruktionen im Sinne einer zukunftsorientierten Bauweise.
Auch im Lehmbau bringt FV2 fundierte Erfahrung mit. So wurde im Projekt BEIL Lehmputz gezielt zur Verbesserung des Raumklimas und der Materialökologie eingesetzt.
Gerne unterstützen wir Sie bei der Umsetzung Ihres Bauprojekts mit Lehm – sowohl im Bestand als auch im Neubau.












